Hendrik Blome


ist Mitglied im Fatamorgana der Africaclub, knapp über 60, geborener Rheinländer durch und durch und als Ingenieur und Marketing-Manager viel durch die Welt gekommen.
Er hat in Asien und Amerika gearbeitet, hat regelmäßig alle europäischen Messeplätze besuchet, und dabei die großen Städte lieben gelernt, er war im arktischen Eismeer und am Kap der Guten Hoffnung.
Viel Erlebtes und einige Erfahrungen, die am Wegesrand mitgenommen wurden, sind natürlich in seinen Kurzgeschichten und Romanen eingeflossen....
...so auch in seiner im April im Schweitzerhaus Verlag erschienenen erotischen Novelle

Mahlstrom Traum in einem Traum

( eine Hommage an Edgar Allan Poes "Sturz in den Mahlstrom" )

Hendrik Blome zu MAHLSTROM:
"Eine der ersten Geschichten, die ich als kleiner Junge las, war der Mahlstrom von Edgar Alan Poe gewesen und danach hat mich diese Geschichte nie mehr losgelassen. Immer wieder habe ich sie mir vorgenommen und gelesen. Auch als Student. Später hatte ich die Gelegenheit bekommen, bei einer Fahrt ins ewige Eis am Nordpol, zweimal diesen eigentlich unwirklichen Ort in Norwegen zu besuchen. Selbst unser damaliger Kapitän war überrascht, was er dann alles im Seehandbuch über den Mahlstrom fand und war genauso beeindruckt von dieser Inselwelt. Edgar Alan Poe's Mahlstrom-Geschichte hat viele Menschen angeregt und insbesondere Schriftsteller, Maler und Musiker ermuntert, sich mit diesem Werk auseinanderzusetzen und etwas Neues zu schaffen. Es sind Abenteuerromane entstanden, Science-Fiction, Bilder, Zeichnungen, Kinofilme und Musik, die alle Poe's Mahlstrom in sich tragen. Bisher gab es noch keinen erotischen Roman, der Bezug nimmt und dies hat mich gereizt. So ist eine erotische Novelle entstanden, eine Dreieckgeschichte, die dort spielt, wo niemand der Natur und seinem Naturell entrinnen kann. Der Mahlstrom ist ein Strudel - ein Strudel, wie die Liebe, die alles in sich hineinzieht."
Ein Textauszug:

Hellsegga

Wer einmal hier war, wird von dieser Natur gefangen genommen. Felswände mit schroffen und bizarren Kanten, Bergspitzen, die bis in die Wolken reichen - und dazwischen winzige Fischerdörfer, die aussehen als würden sie gleich von der Klippe rutschen und in der endlosen See versinken. Umrahmt von glatten dunklen Klippen, die von der Gicht der Brandung geschäumt, hellglänzend den Himmel und die Sonne spiegeln. Die Lofoten, die „Inseln der Götter“, wie sie auch genannt werden, ragen wie eine steile blanke Wand aus dem rauen Nordatlantik. Eine 180 Kilometer lange Inselkette, blau grau, die sich trotzig in die dunkle aufgewühlte See schiebt. Nirgends an den Küsten Europas verwandelt sich die Natur derart ausdrucksvoll und unauslöschlich in

Formen und Farben des Lichts, wie hier am nördlichen Rande des Atlantiks: Natur, die hier in ihren spektakulärsten Erscheinungsformen auftritt. Gebirgszüge und Fjorde, die anderswo gewöhnlich wirken, sind ins scheinbar Verrückte übersteigert, die Landschaft wird zu einem surrealistischen Gemälde und ist derart eindrucksvoll, dass im Vergleich dazu viele andere Küstenabschnitte des hohen Nordens nahezu langweilig wirken. Stolze, die See spiegelnde Granitfelswände, umgeben von hellgrün leuchtenden sanften Hängen, ragen bis zu 1000 Meter urplötzlich und steil aus dem Meer. Und schon im nächsten Augenblick verwandelt sich diese Welt. Alles Gestein wird verborgen durch einen Vorhang aus weißem Nebel und Licht und an den Felsklippen schimmert dann blaugrün das Meer in einer strahlenden Ruhe. Wir sind am Ziel – auf dem Gipfel. Dem sagenumwobenen Hellseggen, der majestätisch als Kap aus dem Meer ragt und hier der Bewölkte heißt. Aber wir haben sagenhaftes Glück, er ist nicht bewölkt. Wolkenloser, tiefblauer Himmel wölbt sich über uns. Die Sonne auf halber Höhe spendet etwas Wärme. Es ist Mittag. Höher kommt sie nicht, dafür geht sie bis Mitte Juli auch um Mitternacht nicht unter. Außer Atem, erschöpft, die Waden massierend lassen wir uns nieder.

Mein Mann und Solveig packen die Isomatten aus den Rucksäcken, breiten sie auf dieser kleinen ebenen und teilweise bemoosten Fels-Plattform wenige Meter unterhalb des Gipfels aus. Ich zerre die große schwere Wolldecke aus meinem Rucksack, die mich mit ihrem Gewicht den ganzen Aufstieg malträtiert hat und lege sie auf die Isomatten. Endlich kann ich mich hinhocken und verschnaufen. Ich schaue mit unsicheren Blicken zum wenige Meter entfernten Felsrand, habe mich nicht getraut nahe an ihn heranzugehen. Hinter dem Rand geht es steil und schroffkantig in die Tiefe bergab. Ich sehe auf einen weiten Ozean hinab, dessen Wasser von Tintenschwarzer Farbe ist. Es ist genau wie Edgar Allan Poe es beschrieben hat. Keine menschliche Phantasie kann sich ein schreckerregenderes, trostloseres Panorama ausdenken und doch ist es so faszinierend schön.

Zur Rechten und zur Linken hinter uns, liegen so weit das Auge reicht, Wände, wie Reihen von schreckhaft finsteren, überhängenden Felsenklippen, deren düsterer Charakter durch die wüste Brandung, die seit Ewigkeiten heulend und kreischend ihre weißen, geisterhaften Schaumkämme empor peitscht, grauenhaft gesteigert wird. Und doch sind sie immer wieder durchzogen, von den großen grünen Flächen der Moose, die sich zärtlich weich an die Felsen schmiegen.

Ich erinnere mich an etwas, das der alte Mann in Poe‘s Geschichte zu seinem Begleiter sagte, etwas, das mir schon damals als ich es las, Angst einflößte. »Vor drei Jahren noch«, sagte er zu ihm, »hätte ich diesen Weg gerade so leicht und ohne Ermüdung gemacht wie der jüngste meiner Söhne; aber dann hatte ich ein Erlebnis, wie wohl kein Sterblicher vor mir – wenigstens wie keiner es überlebte, um davon zu berichten –, und die sechs Stunden tödlichen Entsetzens, die ich damals durchgemacht, haben mich an Leib und Seele gebrochen. Sie halten mich für einen sehr alten Mann – aber ich bin es nicht. Weniger als ein Tag reichte hin, um meine tiefschwarzen Haare weiß zu machen, meinen Gliedern die Kraft, meinen Nerven die Spannung zu nehmen, sodass ich bei der geringsten Anstrengung zittere und vor einem Schatten erschrecke. Können Sie sich denken, dass ich kaum über diese kleine Klippe zu schauen vermag, ohne schwindlig zu werden?«

Ich blicke wieder zu dem Klippenrand vor mir, und schüttle mich.
Ich werde auch nicht über ihn hinweg schauen können.

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