...so auch in seiner im April im Schweitzerhaus Verlag erschienenen erotischen Novelle
Mahlstrom Traum in einem Traum
( eine Hommage an Edgar Allan Poes "Sturz in den Mahlstrom" )
Hendrik Blome zu MAHLSTROM:
"Eine der ersten Geschichten, die ich als kleiner Junge las, war der Mahlstrom von Edgar Alan Poe
gewesen
und danach hat mich diese Geschichte nie mehr losgelassen. Immer wieder habe ich sie mir vorgenommen und gelesen.
Auch als Student. Später hatte ich die Gelegenheit bekommen, bei einer Fahrt ins ewige Eis am Nordpol, zweimal
diesen eigentlich unwirklichen Ort in Norwegen zu besuchen. Selbst unser damaliger Kapitän war überrascht, was er
dann alles im Seehandbuch über den Mahlstrom fand und war genauso beeindruckt von dieser Inselwelt. Edgar Alan Poe's
Mahlstrom-Geschichte hat viele Menschen angeregt und insbesondere Schriftsteller, Maler und Musiker ermuntert, sich
mit diesem Werk auseinanderzusetzen und etwas Neues zu schaffen. Es sind Abenteuerromane entstanden, Science-Fiction,
Bilder, Zeichnungen, Kinofilme und Musik, die alle Poe's Mahlstrom in sich tragen. Bisher gab es noch keinen erotischen
Roman, der Bezug nimmt und dies hat mich gereizt. So ist eine erotische Novelle entstanden, eine Dreieckgeschichte,
die dort spielt, wo niemand der Natur und seinem Naturell entrinnen kann. Der Mahlstrom ist ein Strudel -
ein Strudel, wie die Liebe, die alles in sich hineinzieht."
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Ein Textauszug:
Hellsegga
Wer einmal hier war, wird von dieser Natur gefangen genommen.
Felswände mit schroffen und bizarren Kanten,
Bergspitzen, die bis in die Wolken reichen - und dazwischen
winzige Fischerdörfer, die aussehen als würden sie
gleich von der Klippe rutschen und in der endlosen See
versinken. Umrahmt von glatten dunklen Klippen, die
von der Gicht der Brandung geschäumt, hellglänzend den
Himmel und die Sonne spiegeln.
Die Lofoten, die „Inseln der Götter“, wie sie auch genannt
werden, ragen wie eine steile blanke Wand aus dem rauen
Nordatlantik. Eine 180 Kilometer lange Inselkette,
blau grau, die sich trotzig in die dunkle aufgewühlte See
schiebt.
Nirgends an den Küsten Europas verwandelt sich die
Natur derart ausdrucksvoll und unauslöschlich in
Formen und Farben des Lichts, wie hier am nördlichen
Rande des Atlantiks: Natur, die hier in ihren spektakulärsten
Erscheinungsformen auftritt. Gebirgszüge und Fjorde,
die anderswo gewöhnlich wirken, sind ins scheinbar Verrückte
übersteigert, die Landschaft wird zu einem surrealistischen
Gemälde und ist derart eindrucksvoll, dass im
Vergleich dazu viele andere Küstenabschnitte des hohen
Nordens nahezu langweilig wirken.
Stolze, die See spiegelnde Granitfelswände, umgeben von
hellgrün leuchtenden sanften Hängen, ragen bis zu 1000
Meter urplötzlich und steil aus dem Meer. Und schon im
nächsten Augenblick verwandelt sich diese Welt. Alles
Gestein wird verborgen durch einen Vorhang aus weißem
Nebel und Licht und an den Felsklippen schimmert dann
blaugrün das Meer in einer strahlenden Ruhe.
Wir sind am Ziel – auf dem Gipfel. Dem sagenumwobenen
Hellseggen, der majestätisch als Kap aus dem Meer
ragt und hier der Bewölkte heißt.
Aber wir haben sagenhaftes Glück, er ist nicht bewölkt.
Wolkenloser, tiefblauer Himmel wölbt sich über uns. Die
Sonne auf halber Höhe spendet etwas Wärme. Es ist Mittag.
Höher kommt sie nicht, dafür geht sie bis Mitte Juli
auch um Mitternacht nicht unter.
Außer Atem, erschöpft, die Waden massierend lassen wir
uns nieder.
Mein Mann und Solveig packen die Isomatten aus den
Rucksäcken, breiten sie auf dieser kleinen ebenen und teilweise
bemoosten Fels-Plattform wenige Meter unterhalb
des Gipfels aus. Ich zerre die große schwere Wolldecke
aus meinem Rucksack, die mich mit ihrem Gewicht den
ganzen Aufstieg malträtiert hat und lege sie auf die Isomatten.
Endlich kann ich mich hinhocken und verschnaufen.
Ich schaue mit unsicheren Blicken zum wenige Meter entfernten
Felsrand, habe mich nicht getraut nahe an ihn heranzugehen.
Hinter dem Rand geht es steil und schroffkantig
in die Tiefe bergab. Ich sehe auf einen weiten Ozean
hinab, dessen Wasser von Tintenschwarzer Farbe ist.
Es ist genau wie Edgar Allan Poe es beschrieben hat. Keine
menschliche Phantasie kann sich ein schreckerregenderes,
trostloseres Panorama ausdenken und doch ist es so
faszinierend schön.
Zur Rechten und zur Linken hinter uns, liegen so weit das
Auge reicht, Wände, wie Reihen von schreckhaft finsteren,
überhängenden Felsenklippen, deren düsterer Charakter
durch die wüste Brandung, die seit Ewigkeiten heulend
und kreischend ihre weißen, geisterhaften Schaumkämme
empor peitscht, grauenhaft gesteigert wird. Und doch
sind sie immer wieder durchzogen, von den großen grünen
Flächen der Moose, die sich zärtlich weich an die Felsen
schmiegen.
Ich erinnere mich an etwas, das der alte Mann in Poe‘s Geschichte
zu seinem Begleiter sagte, etwas, das mir schon
damals als ich es las, Angst einflößte.
»Vor drei Jahren noch«, sagte er zu ihm, »hätte ich diesen Weg
gerade so leicht und ohne Ermüdung gemacht wie der jüngste
meiner Söhne; aber dann hatte ich ein Erlebnis, wie wohl kein
Sterblicher vor mir – wenigstens wie keiner es überlebte, um davon
zu berichten –, und die sechs Stunden tödlichen Entsetzens,
die ich damals durchgemacht, haben mich an Leib und Seele gebrochen.
Sie halten mich für einen sehr alten Mann – aber ich
bin es nicht. Weniger als ein Tag reichte hin, um meine tiefschwarzen
Haare weiß zu machen, meinen Gliedern die Kraft,
meinen Nerven die Spannung zu nehmen, sodass ich bei der geringsten
Anstrengung zittere und vor einem Schatten erschrecke.
Können Sie sich denken, dass ich kaum über diese kleine
Klippe zu schauen vermag, ohne schwindlig zu werden?«
Ich blicke wieder zu dem Klippenrand vor mir, und
schüttle mich.
Ich werde auch nicht über ihn hinweg
schauen können.
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